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Er ist längst zum Schimpfwort geworden und gleichzeitig zu einem der unschärfsten Begriffe der politischen Debatte. Neoliberalismus ist für die einen die Wurzel aller wirtschaftlichen Übel, für die anderen schlicht der gesunde Menschenverstand. Kaum jemand nennt sich selbst neoliberal. Und trotzdem prägt dieses Denksystem die Wirtschaftspolitik der letzten fünfzig Jahre wie kaum ein anderes.
In dieser ersten von zwei Folgen von «Überall Geschichte!» erzählen wir, wie der Neoliberalismus entstand: aus der tiefen Krise des klassischen Liberalismus in den 1930er-Jahren, aus dem Schock der Weltwirtschaftskrise und dem Aufstieg totalitärer Alternativen. Wir folgen einer kleinen Gruppe von Ökonomen um Friedrich August von Hayek und Ludwig von Mises, die 1938 in Paris ein neues wirtschaftliches Projekt skizzieren und 1947 in einem Schweizer Berghotel die Mont Pèlerin Society gründen. Eine Organisation ohne Büro, ohne Publikationen, fast unsichtbar, und trotzdem einer der einflussreichsten intellektuellen Zirkel des 20. Jahrhunderts. Wie funktioniert das? Und wie wird aus einem Projekt, das in den 1950er-Jahren kurz vor der Selbstauflösung steht, schon kurz darauf die dominierende Wirtschaftsdoktrin der westlichen Welt?

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